Original http://vetline.de/facharchiv/pferde/journal-club/fesseltunnelsyndrom_.htm
Das Fesseltunnelsyndrom beim Pferd: Literaturübersicht und retrospektive Untersuchung
[30.08.2001]
Die Fesselringbandstriktur ist durch ein Missverhältnis zwischen Platz und Inhalt innerhalb des Fesseltunnels charakterisiert. Die Hauptsymptome dieses Krankheitsbildes sind eine persistierende Lahmheit, eine vermehrte Anfüllung der Fesselbeugesehnenscheide, eine Einschnürung derselben durch das Fesselringband bei der seitlichen Betrachtung der Fessel, sowie ein Hyperflexionsschmerz des Fessel- kopfes. Als Therapie der Wahl gilt die Desmotomie des Fesselringbandes. Das konservative Vorgehen kann als eigenständige Therapie oder als Vorbereitung für eine spätere Operation angesehen werden.
Die Daten von 75 Pferden, bei welchen an der Veterinärchirurgischen Klinik der Universität Zürich ein Fesseltunnelsyndrom diagnostiziert und behandelt worden war, wurden ausgewertet.
Die Pferde wurden je nach Schweregrad und Dauer der Erkrankung konservativ oder chirurgisch behandelt. Die konservative Therapie bestand in einer vorübergehenden Ruhigstellung des Patienten, Angussverbänden mit DMSO 1 :5 bis 1 :7 mit Wasser verdünnt, intrasynovialen Injektionen in die FBSS mit Depo-Medrol oder Lipotalon in Kombination mit verschiedenen Hyaluronsäurepräparaten. Als nicht steroidaler Entzündungshemmer wurde Equipalazone während fünf bis 20 Tagen eingesetzt. Für die Patienten wurde ein Bewegungsprogramm festgelegt und sechs Wochen später nachkontrolliert. In Fällen mit unbefriedigendem Heilerfolg wurden einige Pferde chirurgisch weiterbehandelt.
Die chirurgische Behandlung bestand in einer Desmotomie des Fesselringbandes nach Kersjes et al. Vor der Operation erhielten die Pferde intravenös kristallines Penicillin (20 000 IE pro kg KGW 2 g tgl. )in Kombination mit Gentamycin (7 mg pro kg KGW 1 g tgl. ). Die Antibiose wurde, je nach intraoperativem Befund, ein bis drei Tage weitergeführt. In allen Fällen erhal-ten die Pferde Equipalazone während fünf bis 15 Tagen. In der ersten Woche nach er Operation wurde in die gemeinsame Fesselbeugesehnenscheide der betroffenen Gliedmaße Hyaluronsäure verabreicht. Diese Behandlung wurde in den meisten Fällen bei der Nachkontrolle sechs Wochen nach der Operation wiederholt. Den Pferden wurde während zwei Wochen Boxenruhe verschrieben. Danach erfolgte eine Schrittphase von sechs Wochen gefolgt von einer ebenso langen Trabphase. Ab dem vierten Monat soll mit dem Aufbau der Pferde wieder begonnen und ab dem sechsten Monat kann das Pferd wieder für seine ursprüngliche Arbeit eingesetzt werden.
39 Pferde mit 41 erkrankten Gliedmaßen konnten klinisch und ultrasonographisch nachuntersucht werden. Dabei wurden 70 Prozent der operierten Pferde als gesund beurteilt. Insgesamt betrug der
Behandlungserfolg bei der operativ behandelten Gruppe 62 Prozent und bei der konservativ therapierten Gruppe 58 Prozent.
Röthlisberger U. , B. Kaeggi, H. Geyer und J. A. Auer
Praktischer Tierarzt 82: 9, 699(2001) © Schlütersche GmbH & Co. KG, Verlag und Druckerei